Diktiersoftware auswählen: Diktat, KI-Text und Kanzlei
Aktualisiert 15. Oktober 2026 · 4 Minuten Lesezeit · 9 Quellen
Kurzfassung
Wählen Sie Diktiersoftware zuerst nach der Ausgabe. Ein wortnahes Diktat schreibt auf, was Sie sagen, eine KI-Textausarbeitung formuliert daraus einen neuen Text. Danach entscheiden Sprachbefehle, Zielanwendung, Ort der Erkennung und eigenes Wörterbuch. Kanzleien prüfen zusätzlich Normzitate und Fristen sowie die Verschwiegenheitsverpflichtung des Anbieters nach § 43e BRAO.
Wortnahes Diktat oder KI-Textausarbeitung?
Beim wortnahen Diktat formulieren Sie selbst, die Software überträgt Ihren Wortlaut. Bei der Textausarbeitung sprechen Sie Inhalt und Auftrag, ein Sprachmodell schreibt den Text. Manche Produkte bieten beides. Superwhisper trennt den Modus Voice to Text ohne KI-Verarbeitung von Modi wie Mail und Message und erlaubt eigene Modi mit selbst geschriebenen Anweisungen. Wispr Flow entfernt Füllwörter, setzt Satzzeichen und übernimmt bei einer Korrektur mitten im Satz nur die korrigierte Angabe.
Wo der Wortlaut zählt, etwa in einem Schriftsatz, wählen Sie einen wortnahen Modus. Eine Ausarbeitung darf Sätze umstellen und kürzen. Prüfen Sie dort, ob alle Angaben erhalten bleiben und nichts hinzukommt.
ScribeIndex bewertet beide Ausgaben deshalb getrennt. Das allgemeine Diktat misst ScribeIndex mit der Wortfehlerrate. Bei der sprachgestützten Textausarbeitung zählen das Fakten-F1 und die Anweisungstreue. Eine Rangliste aus einer Aufgabe gilt nicht für die andere.
Was leisten Sprachbefehle?
Ein Sprachbefehl steuert die Software, statt als Text zu erscheinen. In der Diktierfunktion von macOS sagen Sie etwa „Ausrufezeichen“, „neue Zeile“ oder „neuer Absatz“. Dragon Legal erlaubt eigene Sprachbefehle für Standardtexte und Makros für mehrstufige Abläufe, die sich in der Anwendergruppe teilen lassen.
KI-Assistenten verstehen freie Anweisungen. Im Command Mode von Wispr Flow markieren Sie unter Mac oder Windows einen Text und sprechen die gewünschte Änderung. Der kostenlose Tarif enthält diese Funktion nicht. Es kommt darauf an, ob jede einzelne Anweisung umgesetzt wird. Ein flüssig klingender Text erfüllt nicht automatisch eine verlangte Reihenfolge oder eine konkrete Änderung.
Schreibt die Software direkt in Ihre Anwendung?
Wispr Flow schreibt laut Produktseite überall dort, wo Sie tippen können, an die Cursorposition. Prüfen Sie bei jedem Produkt, ob es direkt in Ihr Programm schreibt oder den Text in einem eigenen Editor sammelt, aus dem Sie ihn kopieren. Aussagekräftig ist ein Test in den Programmen, die Sie täglich nutzen, etwa Textverarbeitung, E-Mail und Fachsoftware. Dabei zeigt sich auch, ob Absätze und Formatierungen erhalten bleiben. ScribeIndex diktiert im Test in ein leeres Textfeld der Zielanwendung und hält fest, welche Anwendung verwendet wurde.
Lokal oder in der Cloud?
Bei lokaler Erkennung verarbeitet Ihr Rechner die Sprache selbst. Bei Cloud-Erkennung gehen die Aufnahmen an externe Server. Beides kann im selben Produkt vorkommen. Bei Superwhisper wählen Sie für jeden Modus ein Cloud- oder ein lokales Sprachmodell. Apple zeigt in den Tastatureinstellungen, ob allgemeine Textdiktate auf dem Gerät verarbeitet und nicht an Siri-Server gesendet werden. Diktate in Suchfeldern gehören nicht dazu.
Prüfen Sie Erkennung und Textbearbeitung getrennt. Eine lokale Erkennung bedeutet nicht, dass auch die KI-Ausarbeitung lokal läuft. Superwhisper kann im Pro-Tarif zusätzlich die aktive Anwendung sowie kopierten und markierten Text als Kontext einbeziehen. Bei lokalen Modellen hält ScribeIndex im Test die verwendete Hardware fest.
Wann lohnt sich ein eigenes Wörterbuch?
Ein eigenes Wörterbuch nimmt Namen von Mandanten, Firmen und Orten sowie seltene Fachbegriffe auf. Dragon Legal bietet eigene Wortlisten für Mandanten und Fachbereiche, die Sie erstellen, importieren und teilen. Wispr Flow lernt Namen und Begriffe automatisch oder nimmt sie manuell auf. Das Glossar erklärt die Technik unter Domänenanpassung. ScribeIndex testet ohne vorheriges Sprechertraining und hält ein eingerichtetes Wörterbuch als Teil der Konfiguration fest.
Worauf kommt es bei juristischen Diktaten an?
Ein Normzitat wie „§ 823 Abs. 1 BGB“ muss vollständig erhalten bleiben. Ein falscher Absatz oder ein anderes Gesetz verändert die Aussage eines Schriftsatzes. Dasselbe gilt für Aktenzeichen, Beträge, Fristen mit ihrem Bezugspunkt und Parteien mit ihrer Rolle.
Legen Sie die Schreibweise vorab fest. Nach dem Handbuch der Rechtsförmlichkeit werden Gliederungseinheiten in Rechtsvorschriften des Bundes ausgeschrieben, etwa „§ 1 Absatz 2 Nummer 1“. Ältere Vorschriften kürzten „Abs.“ und „Nr.“ in manchen Fällen ab. Dragon Legal nennt eine automatische Formatierung juristischer Quellenangaben.
In der Testreihe juristische Diktate gelten vereinbarte Schreibvarianten als gleichwertig. Ein vertauschtes Aktenzeichen, eine falsche Frist oder eine vertauschte Partei zählen dagegen als Fehler. Zusätzlich zur Wortfehlerrate weist ScribeIndex den Anteil der Ausgaben mit mindestens einem schwerwiegenden Fehler aus. Das Testprotokoll beschreibt die Rubrik.
Was verlangt das Berufsgeheimnis von Kanzleien?
Nach § 203 des Strafgesetzbuchs (StGB) macht sich strafbar, wer ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart, das ihm als Rechtsanwalt anvertraut oder sonst bekannt geworden ist (Abs. 1 Nr. 3). Gegenüber sonstigen mitwirkenden Personen, etwa einem externen Diktatdienst, ist das Offenbaren erlaubt, soweit es für deren Tätigkeit erforderlich ist (Abs. 3). Strafbar macht sich aber auch, wer nicht dafür sorgt, dass diese Person zur Geheimhaltung verpflichtet wurde, wenn sie das Geheimnis unbefugt offenbart (Abs. 4 Satz 2 Nr. 1).
Die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) bezieht sich auf alles, was Ihnen in Ausübung des Berufs bekannt geworden ist. Wie Sie Dienstleistern trotzdem Zugang geben, regelt § 43e BRAO. Den Dienstleister wählen Sie sorgfältig aus. Ist die Einhaltung der Vorgaben nicht gewährleistet, beenden Sie die Zusammenarbeit unverzüglich.
Der Vertrag bedarf der Textform. Er verpflichtet den Dienstleister unter Belehrung über die strafrechtlichen Folgen zur Verschwiegenheit, beschränkt seine Kenntnisnahme auf das Erforderliche und regelt, ob er weitere Personen heranziehen darf. Wird die Leistung im Ausland erbracht, muss der dortige Schutz der Geheimnisse grundsätzlich dem Schutz im Inland vergleichbar sein. Dient sie unmittelbar einem einzelnen Mandat, braucht es die Einwilligung des Mandanten.
Die Datenschutzvorschriften gelten daneben weiter (Abs. 8). Verarbeitet der Anbieter personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, gehört dazu ein Auftragsverarbeitungsvertrag. Lassen Sie sich Verschwiegenheitsverpflichtung, Speicherort und Unterauftragsverarbeiter in Textform bestätigen. Weitere Prüfpunkte nennt die Datenschutz-Checkliste. Wie ScribeIndex Diktate misst, beschreibt das Testprotokoll Diktiersoftware, die Ergebnisse zeigt der Vergleich der Diktiersoftware.
Weiterlesen
- Messwerte verstehen: Word Error Rate erklärt: WER, CER und echte Aussagekraft Die Word Error Rate (WER) misst Wortabweichungen zwischen Transkript und Referenz. Sie eignet sich für den Vergleich von Spracherkennung unter identischen Regeln. Ob ein zusammenfassendes Dokument inhaltlich stimmt, misst sie nicht.
- Verträge und Datenflüsse prüfen: Datenschutz bei KI-Scribes: Die konkrete Prüfcheckliste Ein Speicherort oder ein Zertifikat beantwortet nicht alle Datenschutzfragen. Die Checkliste zeigt, was Sie vor dem Einsatz eines KI-Scribes klären müssen, von Datenflüssen und Rollen über Auftragsverarbeitung und Unterauftragsverarbeiter bis zu Löschfristen und Trainingsregeln.
- Preise vergleichbar machen: Scribe-Kosten vergleichen: Audiostunde, Abo und Aufwand Minutenpreis, Nutzerlizenz und Enterprise-Angebot werden erst mit demselben Nutzungsprofil vergleichbar. Entscheidend sind die Gesamtkosten bis zum verwendbaren Dokument. Dazu gehören Lizenz und Verbrauch, Einrichtung und Integration sowie die Zeit für die Nacharbeit.
Quellen und weiterführende Literatur
- Apple: Nachrichten und Dokumente auf dem Mac diktieren support.apple.com · abgerufen am 6. Oktober 2026
- Superwhisper: Modi superwhisper.com · abgerufen am 15. Oktober 2026
- Wispr Flow: Produktseite wisprflow.ai · abgerufen am 5. Oktober 2026
- Wispr Flow: Command Mode docs.wisprflow.ai · abgerufen am 6. Oktober 2026
- Nuance: Dragon Legal v16 dragon.nuance.com · abgerufen am 6. Oktober 2026
- Bundesministerium der Justiz: Handbuch der Rechtsförmlichkeit, Zitierung von Rechtsvorschriften des Bundes hdr4.bmj.de · abgerufen am 6. Oktober 2026
- § 203 StGB: Verletzung von Privatgeheimnissen gesetze-im-internet.de · abgerufen am 6. Oktober 2026
- § 43a BRAO: Grundpflichten gesetze-im-internet.de · abgerufen am 6. Oktober 2026
- § 43e BRAO: Inanspruchnahme von Dienstleistungen gesetze-im-internet.de · abgerufen am 6. Oktober 2026